Telefonseelsorge Nordschwarzwald baut ihre Kapazitaeten aus

Telefonseelsorge Nordschwarzwald baut ihre Kapazitäten aus

Am Montag, 03.08.15, hat die Telefonseelsorge Nordschwarzwald eine zweite Leitung für Beratungsgespräche eröffnet. Ermöglicht wurde dies durch einen Umzug der Telefonseelsorge in Räume mit einem zusätzlichen Raum für Telefongespräche, sowie durch die gewachsene Zahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter. „Wir wachsen, weil der Bedarf an Seelsorgegesprächen unsere Kapazitäten deutlichst übersteigt“, formuliert der Leiter der Telefonseelsorge Nordschwarzwald Ulrich Weber die Entwicklung und verweist auf Zahlen für den Monat Juni. Aus dem Einzugsgebiet der Telefonseelsorge Nordschwarzwald habe es im Juni 5333 Anrufversuche allein aus dem Festnetz und aus dem D1 Netz gegeben, dazu kommt eine erhebliche Anzahl Anrufe aus allen anderen Handynetzen, aber gerade 1222 Gespräche konnten wirklich geführt werden. „Der Bedarf ist riesig“, sagt Ulrich Weber, „er spiegelt einerseits die Einsamkeit und Kontaktlosigkeit vieler Menschen in unserer Gesellschaft und zeigt anderseits, dass die Arbeit der Telefonseelsorge längst zu dem psychiatrischen Basisangebot schlechthin geworden ist“. Bei mehr als einem Viertel der Anrufenden benennen diese selbst eine psychiatrische Diagnose, bei einem großen Teil weiterer Anrufer ist eine psychische Erkrankung erkennbar. „Wir sind Tag und Nacht erreichbar, an jedem Tag des Jahres. Das ist für viele Menschen eine enorme Stütze um ihren Tag überhaupt bewältigen zu können“, so Ulrich Weber.

Mittlererweilen über 80 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen aus dem weiteren Umkreis Pforzheims engagieren sich bei der Telefonseelsorge und haben jeweils 14 Stunden im Monat ein „offenes Ohr“ für die Anrufer. Mit 60 MitarbeiterInnen ist eine Leitung rund um die Uhr besetzbar. In einem ersten Schritt kann nun eine zweite Leitung für zusätzliche sechs Stunden am Tag belegt werden. „Die Arbeit bei der Telefonseelsorge bereichert mich“, sagt eine Mitarbeiterin, die wie alle Mitarbeitenden nach außen anonym bleibt. „Ich habe mich persönlich weiter entwickelt, erlebe intensive Gemeinschaft und eigenständiges Handeln.“ Dazu werden die Ehrenamtlichen über 13 Monat intensiv ausgebildet und später mittels Supervision und Fortbildung bestens begleitet. „Ein neuer Ausbildungskurs beginnt im Oktober und ich denke, dass das wieder eine lebendige Ausbildungsgruppe werden wird“, sagt der Leiter der Telefonseelsorge, dem die Freude an der Ausbildungsarbeit anzumerken ist. Jede neue Mitarbeiterin ermöglicht, dass die Kluft zwischen Nachfrage an Seelsorge und Gesprächskapazität verringert werden kann. „Die Kirchen als Träger der Telefonseelsorge leisten da einen eminent wichtigen und uneigennützigen Dienst an der Gesellschaft“, so Ulrich Weber.

Die Anrufe bei der Telefonseelsorge sind kostenlos. Die Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich. Dennoch kostet der Betrieb der Stelle gegenwärtig ca. 240.000 € im Jahr. „Wir wünschen uns, dass die öffentliche Hand, das heißt die Landkreise und die kreisfreie Stadt Pforzheim sich etwas stärker finanziell engagieren“ formuliert Ulrich Weber. In einem ersten Schritt hat der Landkreis Freudenstadt seine Zuschüsse ab diesem Jahr schon erhöht.