45 Jahre Telefonseelsorge

45 Jahre Telefonseelsorge

Heute, am 15. Mai 2017, feiert die TelefonSeelsorge Nordschwarzwald e. V.  ihren 45. Geburtstag. Um 7.30 Uhr des 15. Mai 1972 wurde damals ihr Telefonanschluss frei geschaltet. Um 12.50 Uhr kam der erste Anruf. Es folgten im Verlauf des Jahres noch weitere ca. 1200 Anrufe. Die Notwendigkeit der Begleitung und Beratung von lebensmüden Menschen war gesamtgesellschaftlich als drängendes Problem erkannt worden und hat von 1956 bis heute zur Gründung von insgesamt 107 Telefonseelsorgestellen bundesweit geführt, so auch in Pforzheim im Schoß der Arbeitsgemeinschaften christlicher Gemeinden.

Heute ist die Telefonseelsorge aus der psychosozialen Versorgung der Bevölkerung nicht mehr weg zu denken. Sie hat als Grundprinzip die Anonymität der Anrufenden, der ehrenamtlichen Telefonseelsorger und des Standortes der Stelle um möglichst keine Schwelle zu errichten, die Menschen in Not davon abhalten könnte, bei der Telefonseelsorge anzurufen. Die Arbeit der Telefonseelsorge ist so selten im Licht der Öffentlichkeit, sondern geschieht im Schutz der Vertraulichkeit, aber sie ist hoch effizient. Zweifelsohne hat die Arbeit der Telefonseelsorge einen erheblichen Beitrag dazu geleistet, dass die Suizidhäufigkeit in den letzten 30 Jahren sich halbiert hat.

In den 45 Jahren hat sich die Telefonseelsorge verändert. Seit 1997 gibt es für alle Telefonseelsorgestellen eine bundeseinheitliche Rufnummer. Den Stellen sind seither Zuständigkeitsbereiche zugewiesen. Für die Telefonseelsorge mit Sitz in Pforzheim bedeutet dies, dass sie seither primär für die Menschen vom Kraichtal im Norden bis Alpirsbach im Süden erreichbar ist und dass alle Anrufe gebührenfrei geworden waren. Heute gehen jährlich über 18.000 Anrufe bei der Telefonseelsorge Nordschwarzwald ein.

Schnell hat die Telefonseelsorge erlebt, dass der Bedarf an telefonischer Begleitung sich nicht nur auf suizidale Krisen bezieht, sondern dass die Anrufenden mit nahezu allen Lebensfragen anrufen. Einsamkeit, Beziehungsprobleme, psychische Erkrankungen können Grund eines Anrufes sein. Der Großteil der Anrufenden ruft wiederholt an. Telefonseelsorge ist auch zu einem alltäglichen Lebensbegleiter geworden. Heute sind es 85 gut ausgebildete Ehrenamtliche, die am Telefon den Seelsorgedienst übernehmen, sagt der Leiter Pfarrer Ulrich Weber. Auch dies ist eine der Besonderheiten der Telefonseelsorge in der Landschaft der Seelsorge- und Beratungsangebote: Gut ausgebildete Ehrenamtliche, die rund um die Uhr den Dienst am Telefon gewährleisten, mit allen Themen ansprechbar sind und dies ohne Terminvereinbarung, Wartezeit und Kosten.

Im Hintergrund der Arbeit der Telefonseelsorge steht heute ein Trägerverein bei dem alle Dekanate aus dem Einzugsbereich Mitglied sind. In ökumenischer Gemeinsamkeit gewährleisten sie seit 2009 die Finanzierung der Arbeit der Telefonseelsorge, die häufig genug auf wackligen Beinen stand. Im Jahr 2000 haben die Ehrenamtlichen deshalb einen eigenen Verein gegründet, den Freundeskreis der TelefonSeelsorge Nordschwarzwald e.V., der Spender und Sponsoren sucht und über eigene Aktivitäten finanzielle Mittel erwirtschaftet.

„Mitarbeitergewinnung, Ausbildung und fachliche Begleitung, die Sorge um eine auskömmliche Finanzierung und die Unterstützung durch die öffentliche Hand, sowie die Weiterentwicklung der Arbeit der Telefonseelsorge bleibt eine anspruchsvolle Aufgabe“, sagt der Leiter der Telefonseelsorge und verweist auf die gegenwärtigen Überlegungen neben der Seelsorge am Telefon auch die internetgestützte Seelsorgearbeit aufzubauen. Chat und Mail haben so sukzessive Einzug in den Telefonseelsorgestellen gefunden.